RETScreen
Vorteile
- Die Finanzmodellierung ist detailliert und zuverlässig
- Klimadaten sind bereits integriert
- Deckt verschiedene Energietechnologien ab
- Beinhaltet Emissions- und Risikoanalysen
- Eignet sich gut für die Vorauswahl in frühen Phasen
Nachteile
- Die Benutzeroberfläche wirkt veraltet und ist auf den ersten Blick nicht intuitiv
- Es gibt keine Ebene für Layout, Verschattung oder Systemdesign
- Die visuelle Darstellung ist eingeschränkt
- Erfordert eine sorgfältige Eingabekonfiguration, um Fehler zu vermeiden
RETScreen steht ganz am Anfang der Projektentwicklung – vor Layouts, Beschaffung und Detailplanung. Mit der Software wird geprüft, ob ein Projekt auf dem Papier technisch und wirtschaftlich trägt. Die meisten Teams nutzen sie nicht zur Auslegung, sondern um die entscheidende Frage zu beantworten: Hält das Projekt stand, wenn man die Zahlen sauber aufstellt? Und zwar nicht nur den Energieertrag, sondern auch Kosten, Rendite und Risiko.
Was ist RETScreen?
RETScreen ist eine Software zur Energieanalyse, die von der kanadischen Regierung entwickelt wurde. Sie schätzt Energieerzeugung, Projektkosten, finanzielle Rendite und Emissionsminderungen anhand standardisierter Modelle und integrierter Datensätze.
In der Praxis ist sie ein Screening-Werkzeug: Man gibt Eingangsgrößen ein – Leistung, Standort, Kosten – und das Modell liefert ein strukturiertes Bild von Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit. Für die Detailplanung ist sie nicht gedacht. Sie dient der Entscheidung, ob ein Projekt es überhaupt bis zu dieser Phase wert ist.
Funktionen
Diese Kernfunktionen prägen die Arbeit mit RETScreen in der Praxis:
Machbarkeitsanalyse
Das ist die Grundlage: Sie geben die Projektdaten ein, und RETScreen berechnet Energieertrag, Einsparungen und Finanzkennzahlen. So lassen sich Ideen schnell vorsortieren, bevor es an die Detailplanung geht.
Klimadatenbank
RETScreen enthält Klimadaten auf NASA-Basis. Sie müssen keine Wetterdateien suchen: Solarstrahlung, Temperatur und weitere Parameter sind für die meisten Standorte weltweit bereits hinterlegt.
Finanzmodellierung
Das ist die größte Stärke von RETScreen. Investitionskosten, Betriebskosten, Steigerungsraten und Erlösannahmen werden strukturiert abgebildet. Die Berechnungen sind nachvollziehbar: Ändern Sie eine Variable, aktualisieren sich die Ergebnisse sofort. Szenarien lassen sich so unkompliziert durchspielen, auch wenn die Oberfläche etwas starr wirkt.
Emissionsanalyse
RETScreen berechnet die Treibhausgasminderung anhand des Projekttyps und der lokalen Netzfaktoren. Das ist nützlich für das Reporting, insbesondere wenn CO₂-Minderungsziele Teil des Genehmigungsprozesses sind.
Leistungsüberwachung
Es gibt ein Modul, das die tatsächliche Leistung mit den erwarteten Werten vergleicht. Sobald ein Projekt in Betrieb ist, wird das relevant: Abweichungen lassen sich erkennen, ohne ein eigenes Monitoring-System aufzubauen. Nicht alle Anwender nutzen diese Funktion – viele wechseln nach der Inbetriebnahme zu spezialisierten Monitoring-Plattformen.
Risiko- und Sensitivitätsanalyse
Zentrale Variablen lassen sich verändern, um unterschiedliche Ergebnisse zu testen. Typische Eingangsgrößen sind Energiepreis, Investitionskosten und Ertragsniveau. Dieser Schritt zeigt, wie empfindlich ein Projekt auf Änderungen reagiert: Stabile Projekte bleiben über alle Szenarien hinweg tragfähig, marginale nicht.
Screenshots
RETScreen Preise
Die Plattform bietet folgende Preisoptionen:
- RETScreen Basic (kostenlos) – umfasst Machbarkeitsanalyse, Finanzmodellierung und Klimadaten.
- RETScreen Expert (in der Regel 869,00 USD pro Nutzer und Jahr) – ergänzt Portfoliomanagement, erweiterte Analysen und Leistungsüberwachung.


Integrationen
RETScreen ist nicht auf Integrationen ausgelegt, sondern arbeitet eher als eigenständiges Analysewerkzeug. Unterstützt werden:
- Excel-basierte Arbeitsabläufe
- CSV-Import und -Export
- manueller Datenaustausch mit anderen Engineering-Tools
Eine direkte Anbindung an Solar-Design-Plattformen oder eine API-Schicht gibt es nicht. In den meisten Arbeitsabläufen steht RETScreen vor der Planungssoftware, nicht neben ihr.
So verwenden Sie RETScreen
Für den Einstieg:
- Projekttyp festlegen
Wählen Sie das System: Photovoltaik, Wind, Wasserkraft oder Effizienzmaßnahmen. Legen Sie Standort und grundlegende Leistung fest. Damit steht die Ausgangsbasis.
- Energiedaten eingeben
Tragen Sie den erwarteten Ertrag oder die Lastdaten ein. Fehlen exakte Werte, können die integrierten Klimadaten die Lücke auf einfachem Niveau schließen.
- Finanzdaten ergänzen
Hier kommen Investitionskosten, Betriebskosten, Wartung und Tarife hinein. Genauigkeit zählt: Grobe Annahmen führen zu irreführenden Ergebnissen.
- Simulation ausführen
Das Modell verarbeitet die Eingaben und erzeugt Energieertrag und Finanzergebnisse. Sobald die Eingaben stehen, geht dieser Schritt schnell.
- Ergebnisse prüfen
Achten Sie auf IRR, Kapitalwert und Amortisationsdauer. Sie entscheiden, ob das Projekt interne Vorgaben oder Investorenanforderungen erfüllt.
- Szenarien testen
Verändern Sie zentrale Variablen: Energiepreise, Systemkosten, Ertragsniveau. Beobachten Sie, wie sich die Ergebnisse verschieben. Dieser Schritt ändert häufig die Entscheidung.
Häufige Fragen
Eignet sich RETScreen für die Solarplanung?
Nein. Layoutplanung, Verschattungsanalyse und elektrische Auslegung werden nicht unterstützt.
Wo steht die Software im Projektablauf?
In der frühen Machbarkeits- und Screening-Phase – also vor den Werkzeugen für die Detailplanung.
Lässt sie sich für große Projekte einsetzen?
Ja. Großprojekte im Kraftwerksmaßstab und gewerbliche Projekte werden häufig damit bewertet.
Sind die Klimadaten verlässlich?
Sie beruhen auf NASA-Datensätzen und sind für Machbarkeitsstudien geeignet. Die Detailplanung erfordert weiterhin standortspezifische Daten.
Werden Hybridsysteme unterstützt?
Ja. Mehrere Technologien lassen sich innerhalb eines Projekts analysieren.
Reicht das für Investitionsentscheidungen?
Für Entscheidungen in der Frühphase ja. Die endgültige Investitionsentscheidung erfordert in der Regel eine detailliertere Planung und Validierung.










